Du machst alles, was von dir erwartet wird und manchmal sogar noch viel mehr: als Tochter, als Partnerin, als Freundin, vielleicht als Mutter und im Job sowieso. Und an manchen Abenden, in manchen stillen Momenten kriecht dann dieses Gefühl deinen Rücken hoch, so ein Unbehagen. Vielleicht ist es noch schwer zu benennen, eine Mischung aus Frust und Erschöpfung und Gedanken, die sich darum kreisen, dass das hier irgendwie nicht ganz deins ist. Also, das Leben mein ich.

Du steckst in einem Korsett, dass du dir weder selbst angezogen hast, noch wurde es dir hochoffiziell übergeben. Aber es ist trotzdem da und zwar schon ziemlich lange, vermutlich schon immer, so wie bei fast allen von uns. Es ist engmaschig verdrahtet aus gesellschaftlichen Vorstellung davon, wie eine Frau zu sein hat und fein bestickt mit den Erwartungen der Familie. Die Rüschen bestehen aus den unsichtbaren Regeln deiner Kultur, die du so verinnerlicht hast, dass sie dir selbst auch völlig normal vorkommen.
Ach, was für ein hübsches Korsett! Und es gibt ja auch irgendwie Halt … nur ist es furchtbar unbequem und wenn du es dauerhaft trägst, macht es dich irgendwann krank.
Selbstbestimmung von Frauen, das klingt erst mal groß, politisch vielleicht, weit weg irgendwie, als hätte es nicht wirklich was mit dir zu tun. Aber im Alltag ist es eigentlich sehr konkret. Beispielsweise, wenn ich dir die Frage stelle: Wessen Stimme hörst du, wenn du Entscheidungen triffst?
Ich bin Mimi, Self-Empowerment Coach für Frauen und auch ich kenne dieses Korsett (oder vielleicht sind es ja sogar mehrere …) in- und auswendig.
Was Selbstbestimmung von Frauen wirklich bedeutet
Selbstbestimmung bedeutet nicht, dass du alles alleine machst, oder dass du niemanden mehr in deinem Leben brauchst. Es bedeutet auch nicht, dein Leben ab sofort radikal umzukrempeln. Es meint eigentlich nur eines: dass du die Hauptfigur in deinem eigenen Leben bist und nicht die Nebenrolle oder Statistin in dem deiner Mutter, der Person, mit der zu zusammen lebst oder deines Chefs.
Das war jetzt leicht dahin geschrieben, in echt ist es natürlich nicht so simpel. Die erste große Herausforderung ist, dass die meisten Frauen von frühester Kindheit an gelernt haben, ihre eigenen Bedürfnisse so weit nach hinten zu schieben, dass sie sie als Erwachsene selbst kaum noch wahrnehmen.
Selbstbestimmung von Frauen, deine Selbstbestimmung heißt also auch, diese Prägung rückgängig zu machen: Schritt für Schritt wieder herauszufinden, was du eigentlich willst, und dann dafür einzustehen, auch wenn sich das erst mal komisch, unangenehm oder egoistisch anfühlt.
Warum Selbstbestimmung für Frauen so viel schwieriger ist

Jetzt könnte ich einfach sagen: Weil wir halt so erzogen wurden. Das stimmt auch, aber es steckt noch mehr dahinter.
Frauen wachsen in einer Gesellschaft auf, die von ihnen systematisch mehr Anpassung erwartet als von Männern. Wir sollen rücksichtsvoll, fürsorglich und brav sein und uns selbst zurücknehmen. Wer als Mädchen gelernt hat, dass es im besten Fall unschicklich, im schlimmsten Fall gefährlich ist, zu viel Raum einzunehmen, wird als Erwachsene nicht plötzlich selbstverständlich für sich eintreten, auch wenn es natürlich schön wäre, wenn das so leicht ginge.
Dazu kommt: Frauen, die klar für sich einstehen, werden oft anders bewertet als Männer, die dasselbe tun. Was bei ihm Durchsetzungsvermögen heißt, heißt bei ihr schnell: schwierig. Was bei ihm Selbstbewusstsein ist, klingt bei ihr schon fast arrogant. Hier haben wir es mit einem Doppelstandard zu tun, der tief in unserer Gesellschaft und damit auch in uns selbst verankert ist.
Diese Bedingungen machen Selbstbestimmung für Frauen nicht unmöglich, aber sie machen sie zu etwas, das wir uns tatsächlich „hart“ erarbeiten müssen. Und es ist wichtig, das zu verstehen, damit du aufhörst zu glauben, dass irgendetwas mit dir nicht stimmt, wenn du dich in deinem Korsett unwohl fühlst.
Was dich innerlich davon abhält, das Korsett abzulegen

Die äußeren Strukturen sind das eine. Aber es gibt noch eine zweite Ebene, die oft übersehen wird: dein innerer Status Quo.
Viele Frauen haben so lange nach dem Kompass anderer gelebt, dass sie gar nicht mehr sicher sind, was sie selbst eigentlich wollen. Da ist kein klares Bild mehr, vielleicht gab es das auch noch nie, weil es nicht gebraucht wurde, gab ja fremde Bilder. Aber da ist dann vielleicht dieses vage Unbehagen von vorhin. Also: das hier fühlt sich gerade nicht gut an, ich will das eigentlich nicht mehr … aber wo soll ich jetzt hin???
Dazu kommen Glaubenssätze, die so tief sitzen, dass sie sich wie Wahrheiten anfühlen. Man könnte sagen, das sind die Abdrücke, die das jahrelange tragen des Korsetts auf dir hinterlassen hat: dass die Bedürfnisse anderer wichtiger sind, dass man erst dann an sich denken darf, wenn alle anderen versorgt sind, dass Selbstbestimmung irgendwie egoistisch ist und dass es undankbar wäre, mehr zu wollen.
Und schließlich ist da noch die Angst, vielleicht als so ein Hintergrundrauschen. Die Sorge, was passiert, wenn du anfängst, wirklich du selbst zu sein, z.B. ob die Menschen in deinem Leben das mittragen oder ob du dich dann vielleicht noch mehr verlierst, bevor du dich findest.
Das alles ist sind echte und relevante Faktoren und die machen Selbstbestimmung zu etwas, das man einfach so beschließt.
Was du für deine Selbstbestimmung tun kannst

Fangen wir mit dem an, was am meisten hilft und am wenigsten sexy klingt: innehalten.
Keine Angst, ich meine nicht meditieren, Journaling oder fünf neue Gewohnheiten einführen. Was ich meine ist, einfach mal kurz aus dem Autopiloten raus. Frag dich vor deiner nächsten Handlung: Tue ich das gerade, weil ich es will, oder weil es von mir erwartet wird?
Denn bevor du irgendetwas verändern kannst, musst du überhaupt erstmal herausfinden, wo du eigentlich gerade stehst. Und das ist gar nicht so einfach, wenn du jahrelang einfach mitgefahren bist, anstatt selbst zu steuern.
Ein paar konkrete Einstiegspunkte, die ich in meiner Arbeit immer wieder empfehle:
Fang mit kleinen Entscheidungen an. Nicht mit dem großen Berufs- oder Beziehungsleben, sondern mit dem, was du heute Mittag essen willst, was du am Wochenende brauchst, was du eigentlich gar nicht mehr tun möchtest, aber irgendwie immer noch tust. Kleine Schritte. Das ist wichtig.
Hör auf, deine Bedürfnisse zu begründen. Du darfst müde sein, ohne krank zu sein. Du darfst Nein sagen, ohne einen Grund zu haben. Du darfst Dinge wollen, nur weil du sie willst. Das klingt banal aber fühlt sich am Anfang vielleicht trotzdem ziemlich rebellisch an.
Schau dir an, welche Regeln du eigentlich nie hinterfragt hast. Nicht um alles über den Haufen zu werfen. Sondern um zu unterscheiden: Was davon ist wirklich meins und was hab ich einfach übernommen?
Selbstbestimmung fängt nicht mit einem großen Knall an sondern mit eben diesen kleinen Momenten, in denen du dich selbst wieder ernst nimmst.
Und so war es bei mir

Ich hab eingangs schon erwähnt, dass ich das Korsett natürlich auch kenne. Einer der Momente, an dem mir das so richtig klar geworden ist, kam etwa 2 Jahre nach der Trennung vom Vater meiner Tochter.
Diese zwei Jahre waren ehrlich gesagt nicht mein ruhmreichstes Kapitel. Direkt in die nächste Beziehung, die mir überhaupt nicht gut getan hat. Dann eineinhalb Jahre, in denen ich mich erstmal wieder zusammenpuzzlen musste, um mich dann in die nächste Beziehung zu stürzen, die okay war, aber sich trotzdem nicht richtig angefühlt hat. Ich hab dann auf einem Sofa im Dänemark-Urlaub gemerkt, dass ich die ganze Zeit der Zweisamkeit hinterhergerannt bin, als wäre sie das ultimative Lebensziel. Dabei war das Ziel eigentlich ich selbst.
Das war ein Schritt auf einem langen Weg. Nicht der einzige, bei weitem nicht. Aber einer der prägenden.
Heute begleite ich Frauen genau in diesem Prozess. Nicht weil ich alle Antworten habe, sondern weil ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man sie noch nicht hat. Und weil ich jetzt weiß, welche Fragen ich stellen kann, um zu den Antworten zu kommen.
Und was ist dein nächster Schritt?
Wenn du dich in irgendetwas von dem wiedererkannt hast, was ich hier zusammengeschrieben hab, dann fragst du dich das vielleicht auch: was du jetzt als nächstes machen könntest.
Der einfachste erste Schritt, den ich dir empfehlen kann: Mach meinen Empowerment-Selbsttest. Er dauert nur ein paar Minuten und zeigt dir ziemlich klar, wo du gerade stehst, in welchen Bereichen deines Lebens du schon ziemlich gut für dich einstehst, und wo das Korsett noch sitzt.
Dein Leben. Deine Entscheidungen.

