Den Job wechseln oder endlich Grenzen setzen? Was Frauen wirklich weiterbringt

Eine telefonierende Frau an einem Schreibtisch
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Manchmal sitzt du Sonntagabend auf dem Sofa und alles in dir sträubt sich, wenn du an den nächsten Tag denkst. Oder wachst du morgens auf und hast schon beim Gedanken an die Arbeit einen Eisklotz im Bauch. Kennst du das? Du willst nicht mehr. Du kannst nicht mehr. Und trotzdem ziehst du dich an, fährst hin, sitzt in Meetings, lächelst, lieferst.

Und in anderen Momenten, vielleicht auf dem Heimweg oder nachts wenn du nicht schlafen kannst, kommen immer wieder diese Fragen in deinen Kopf: Soll ich einfach kündigen? Soll ich doch nochal versucht, was zu ändern? Aber was?

Diese Fragen sind absolut nicht trivial. Sie kosten Energie, Schlaf, Freude und es gibt für sie leider weder eine universelle noch eine einfache Antwort. Zumindest kann ich dir diese Antwort nicht geben. Denn die hängt von dir ab. Von deiner Situation, deinen Werten und natürlich von deiner Lebensvision.

Was ich dir aber geben kann ist ein kleines und einfaches Framework, das dir hilft, deine Antwort selbst zu finden. Und ein paar ehrliche Gedanken, wann es sich lohnt zu kämpfen, und wann es Zeit ist loszulassen bekommst du auch von mir.

Warum vorschnell kündigen selten die Antwort ist

Selbstbewustsein als Frau stärken: Portrait einer Frau, die sich die Hände auf das Gesicht gelegt hat. Sie wirkt gestresst.
Foto von Toa Heftiba auf Unsplash

Ich möchte nicht, dass du in einer Situation verharrst, die dich unglücklich macht. Aber ich erlebe in meiner Arbeit immer wieder, wie Frauen kündigen, einen neuen Job anfangen, und dann nach ein paar Monaten feststellen: Irgendwie ist es hier auch nicht so anders.

Wenn man ganz genau hinschaut, ist das auch kein Wunder. Denn wenn wir nicht verstehen, was uns in einer Situation so zermürbt, nehmen wir es einfach mit. Fällt es dir zum Beispiel schwer, Grenzen zu setzen? Übernimmst du immer reflexartig zu viele Aufgaben? Hast du ständig Angst, unbequem zu sein? Diese und viele andere Muster haben nur bedingt etwas mit unserem Umfeld zu tun, die sitzen tief in uns selbst. Was genau diese Anpassungsmuster langfristig kosten, habe ich in diesem Beitrag aufgeschlüsselt.

Dazu kommt: Der Jobmarkt ist gerade nicht mehr das, was er noch vor ein paar Jahren war. Viele Branchen stellen weniger ein, Gehaltsverhandlungen sind schwieriger geworden, und die Probezeit im neuen Job ist eine neue Bewährungsprobe. Kündigen ist keine leichte Entscheidung, und das sollte es auch nicht sein.

Wie gesagt heißt das aber nicht, dass man in jedem Job ausharren soll, koste es was es wolle. Vielmehr bedeutet es, dass es sich fast immer lohnt, erst noch ein paar andere Hebel auszuprobieren, bevor man geht. Einen davon, für mich den wichtigsten, möchte ich dir heute genauer zeigen: das konsequente Setzen von Grenzen. Nicht als einmalige Aktion, die man abhakt und dann fertig. Sondern als einen langfristigen Prozess, der zwar Zeit braucht und manchmal ziemlich unbequem ist aber der einen auch ganz schön viel über sich selbst lehrt. Die Fragen, die dabei immer wieder auftauchen, und meine ehrlichen Antworten darauf habe ich hier auch noch einmal zusammengestellt. Eine meiner Klientinnen hat das ein halbes Jahr lang gemacht. Was sie dabei erlebt hat, überrascht vielleicht.

Was Grenzen setzen wirklich bedeutet

Eine meiner Klientinnen war in genau dieser Situation. Sie war fachlich top aufgestellt, total engagiert in ihrem Team und ihrem Unternehmen, aber irgendwie immer überlastet und ständig mit dem Gefühl unterwegs, dass ihre Arbeit nicht wirklich gesehen wurde. Außerdem fühlte sie sich quasi ständig übergangen, ob in Meetings, bei Entscheidungen oder bei der Frage wer welche Projekte bekommt.

Sie hätte kündigen können. Der Gedanke kam ihr in regelmäßigen Abständen. Aber sie hat sich aus verschiedenen Gründen zunächst dazu entschieden, es erst anders zu versuchen.

Sie fing also damit an, Grenzen zu setzen. Das schreibt sich hier so einfach, aber das war es natürlich in der Umsetzung überhaupt nicht. Ihr erstes großes Thema war ihre Arbeitsbelastung. Sie war sozusagen der Bottleneck in ihrem Team. Alles lief über sie, sie arbeitete ständig am Limit. Das war natürlich jedem bewusst, auch ihrem Chef. Von sich aus hat der aber nichts geändert. Also sprach sie mit ihm. Sie erklärte ihm ganz konkret, was sie brauchte, um ihren Job gut zu machen, und bat unter anderem um eine Kollegin zur Unterstützung. Das Gespräch war sehr unangenehm. Ihr Chef reagierte ausweichend und wenig wertschätzend, aber sie blieb über mehrere Monate an dem Thema dran. Und am Ende bekam sie tatsächlich eine neue Kollegin.

Eine Frau liegt auf einer Treppe
Foto von JOYUMA auf Unsplash

Ihr zweiter großer Punkt war ihr Gehalt. Sie wusste, dass sie nicht nur in ihrer Branche sondern auch im Vergleich zu anderen Teammitgliedern mit ähnlichen Aufgaben und Verantwortung unterbezahlt war. Also fing sie an, ihr Gehalt auf die Agenda in den Gesprächen mit ihrem Chef zu setzen. Nicht einmal, sondern mehrmals, auch hier wieder über mehrere Monate. Wie oft sie mir in dieser Zeit gesagt hat, dass sie aufgeben möchte? Das haben wir nicht gezählt. Aber ja, es fühlte sich für sie zäh und frustrierend an. Trotzdem blieb sie hartnäckig und hatte am Ende Erfolg. Sie bekam eine Gehaltserhöhung, deutlich kleiner als erhofft, aber in Kombination mit einer Reduktion ihrer Wochenstunden und einem besseren Titel.

Doch ihr Chef war nicht die einzige Person, bei der für sich einstand. Es gab da auch noch ihre Kolleginnen und Kollegen. Wie gesagt erlebte sie widerholt Situationen, in denen sie sich übergangen oder überrollt fühlte, und zum ersten Mal in ihrer Karriere sprach sie das direkt bei den betreffenden Personen an. Einmal führte das tatsächlich zu einer richtigen Eskalation, das war nicht schön und hat sie einige Nerven gekostet. Aber in allen anderen Fällen war das Ergebnis eine deutlich bessere Kommunikation und Dynamik im Team. Und auch aus dem eskalierten Konflikt ist sie am Ende gestärkt hervorgekommen.

Sie ist also in diesen sechs Monaten gewachsen, hat echte Erfolge verzeichnet und Veränderungen bewirkt, die sie vorher nicht für möglich gehalten hätte. Sie hat gelernt, dass es okay ist, unbequem zu sein, dass man damit tatsächlich Erfolg haben kann und dass es sich nach dem kurzen Unwohlsein gut anfühlt.

Und trotzdem: nach all dem blieb ein Gefühl. Ein leises, hartnäckiges Unglücklichsein, das sich nicht wegverhandeln ließ. Wenn sie daran geglaubt hätte, dass es noch etwas zu verändern gäbe, was sie in dieser Firma glücklicher macht, hätte sie es versucht. Aber sie merkte irgendwann, dass sie und ihr Unternehmen einfach nicht mehr zusammenpassten. Vielleicht war sie durch ihre innere Arbeit einfach aus ihrem Umfeld herausgewachsen? Was auch immer es war, sie war sich sehr, sehr sicher: das hier ist nicht mehr meins.

Jetzt fragst du dich vielleicht, wie genau man diesen Moment erkennt. Und wie unterscheidet man ihn von einer vorübergehenden Frustration?

Individuelle Gradmesser entwickeln

Jetzt wird es praktisch. Wir haben ja schon ganz oben festgestellt, dass die Frage „soll ich bleiben oder gehen“ zu groß und zu abstrakt ist, um sie einfach so zu beantworten. Was aber hilft, ist sie in kleinere, konkretere Fragen aufzuteilen. Dadurch entwickeln wir uns individuelle Gradmesser.

Eine Frau (man sieht ihren Kopf nicht) sitzt auf einem Bett, ein aufgeschlagenes Buch auf dem Schoß
Foto von Ellie Ellien auf Unsplash

Was meine ich damit? Kriterien, die du für dich selbst festlegst und anhand derer du regelmäßig überprüfen kannst, ob sich an deiner Situation etwas verändert. Diese Gradmesser oder Kriterien sind für jede Person anders. Was für deine Kollegin ein absolutes No-Go ist, kann für dich völlig okay sein. Und umgekehrt. Deshalb kann ich dir hier keine fertige Liste geben, aber ich habe ein paar Fragen, die dir helfen, deine eigenen Gradmesser zu entwickeln.

Solche Gradmesser kannst du dir für jedwede Situation zurechtlegen. Heute geht es aber um den Job:

  • Was brauchst du, um in deinem Job gut und gerne zu arbeiten?
    Was ist dafür wirklich notwendig. Genug Freiraum für eigene Entscheidungen? Ein Team, das respektvoll miteinander umgeht? Mehr Gehalt? Eine Führungskraft, die deine Leistung sieht und anerkennt? Mehr Verantwortung? Liste so konkret wie möglich auf, was du brauchst.
  • Was davon ist gerade nicht erfüllt bzw. wo stehst du jeweils?
    Manche deiner Kriterien sind vielleicht binär (also on oder off) andere kann man auf einer Skala abbilden (z.B. von 0 bis 10), also wie gut ist dieses Kriterium aktuell erfüllt? Überleg dir hier auch, welchen Wert ein Kriterium erreichen muss, damit du zufrieden bist.
  • Was hast du bereits versucht, um das zu ändern? (Für jedes Kriterium)
    Hier geht es nicht darum, dir selbst die Schuld zu geben, wenn etwas nicht funktioniert hat. Sondern darum, ehrlich zu schauen, was du wirklich schon probiert hast und welche Optionen du hier vielleicht für eine Veränderung hast.

Nun hast du also einen Status Quo: die Kriterien, die du brauchst mit konkreten Werten versehen. Ab jetzt kannst du deine Situation monitoren. Überprüfe in regelmäßigen Abständen, ob sich etwas verändert hat (z.B. einmal im Monat oder einmal im Quaral). Geht es in die richtige Richtung, auch wenn es langsam geht? Oder stagniert es seit Monaten, egal was du tust?

Mit diesem kleinen Framework schaust du aktiv auf deine Situation, du übernimmst also Verantwortung. Das ist der erste Schritt raus aus der Fremdbestimmtheit oder auch Selbstermächtigung.

Wann ist es Zeit zu gehen?

Jetzt kommen wir zur Kopfnuss. Und ich sage dir gleich: Eine universelle Antwort darauf gibt es nicht. Denn der Moment, in dem es Zeit ist zu gehen, sieht für jede Frau anders aus.

Manche merken es daran, dass ihre Gradmesser sich über Monate nicht bewegen, egal was sie tun. Manche merken es daran, dass sie sich selbst nicht mehr wiedererkennen, dass sie zu Hause reizbar sind, nicht mehr schlafen können, Dinge nicht mehr genießen, die ihnen früher Freude gemacht haben. Manche merken es an einem ganz konkreten Moment, einem Gespräch, einer Entscheidung, einer Situation, nach der sie einfach wissen: das war es.

Selbstliebe - Oberkörper einer Frau mit langen, braunen Haaren, die ein weißes T-Shirt mit der Aufschrift Self-Love trägt.
Foto von Victória Neves auf Unsplash

Und manche merken es so wie meine Klientin. Nicht durch einen dramatischen Einschnitt, sondern durch dieses leise, hartnäckige Gefühl, das einfach nicht weggeht. Sie hatte gekämpft, Erfolge erzielt, sich und ihre Situation verändert. Und trotzdem war da diese innere Stimme, die sagte: Das hier ist nicht mehr meins.

Das ist ein inneres Signal. Oder nenn es auch gerne deine innere Stimme oder Intuition. Es lohnt sich, es ernst zu nehmen.

Ich erlebe oft, dass Frauen dieses Signal lange ignorieren. Weil sie sich fragen, ob sie vielleicht einfach undankbar sind. Weil sie Angst haben vor dem Sprung ins Ungewisse. Weil sie sich sagen, dass es woanders ja auch nicht besser wird. Und vor allem, weil ihnen aberzogen wurde, auf ihre innere Stimme, auf ihr Bauchgefühl zu vertrauen. Die Gedanken und Bedenken sind verständlich und nachvollziehbar und es ist immer wichtig, vor einer wichtigen Entscheidung sorgfältig abzuwägen. Aber es ist eben auch so, dass irgendwann ein Punkt gekommen ist, an dem eine Entscheidung getroffen werden will oder ein Punkt, an dem unsere innere Stimme nicht länger ignoriert werden will.

Dein inneres Signal ist kein Zeichen von Schäche und auch kein Aufgeben. Es ist dein ganz individuelles Hilfe- und Informationssystem. Je länger du es ignorierst, desto lauter wird es werden. Und manchmal wird es so lange ignoriert, bis es sich durch Erschöpfung, Krankheit oder einen Zusammenbruch den Weg in unser Bewusstsein bahnt. Lass es nicht soweit kommen.

Wenn deine Gradmesser sich trotz aller Bemühungen nicht bewegen, und wenn da gleichzeitig dieses innere Wissen ist, dass du und diese Firma einfach nicht mehr zusammenpassen, dann ist das keine Niederlage. Dann ist das Klarheit. Und Klarheit ist der erste Schritt in die richtige Richtung.

Was du jetzt tun kannst

Grenzen setzen oder gehen. Das klingt nach einer Entweder-oder-Entscheidung. Aber wie du jetzt weißt, ist es eher ein Prozess. Erst nochmal versuchen, wachsen, beobachten, und dann ehrlich sein mit dir selbst.

Portrait von Mimi, das Kinn auf ihre Hände gestützt

Die Klientin, die ich dir in diesem Post vorgestellt habe, hat beides gemacht. Sie hat erst gekämpft, und dann ist sie doch gegangen. Und beides war für sie richtig. Weil sie beides aus einer Klarheit heraus getan hat, nicht aus Flucht oder Resignation. Als sie die finale Entscheidung traf, wusste sie, dass sie alles versucht hatte und auf ihre innere Stimme hören durfte.

Diese Klarheit wünsche ich dir auch. Das Wissen und der Glaube, dass du wirklich hingeschaut hast, dir deine eigenen Gradmesser entwickelt hast und dir selbst gegenüber ehrlich geblieben bist.

Und wenn du merkst, dass du bei all dem Unterstützung gebrauchen könntest, beim Entwickeln deiner Gradmesser, beim Hinschauen, beim Sortieren deiner Gedanken, dann melde dich gerne bei mir. In einem kostenlosen Strategiegespräch schauen wir gemeinsam auf deine Situation. Ganz unverbindlich, ganz ohne Druck. Und wer weiß, vielleicht ist das der erste Schritt zu deiner eigenen Klarheit.

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