Im nächsten Meeting endlich gehört werden: 6 Tipps, die sofort helfen

Eine lachende Frau an einem Konferenztisch vor einer dunkle Wand, in ihrer Hand hat sie ein Tablet.
Foto von Brooke Cagle auf Unsplash

Früher saß ich in Meetings oft wie auf heißen Kohlen. Ich hatte einen Punkt, den ich unbedingt loswerden wollte, wartete auf den richtigen Moment, auf eine Pause, auf den Mut, einfach anzufangen. Aber wenn ich es dann irgendwie geschafft habe, mich zu Wort zu melden, verpuffte mein Stolz auf die tolle Erkenntnis, die ich da zum Besten gegeben habe, oft so schnell wie eine Seifenblase. Ein kurzer fragender Blick, manchmal ein knappes „okay“, im besten Fall ein Nicken. Und dann wurde einfach weitergesprochen, als wäre nichts gewesen.

Ich fühlte mich wie ein kleines Kind an einem Tisch voller Erwachsener.

Es ist tatsächlich auch ein paar Mal folgendes passiert: Ein Kollege sagt fünf Minuten später fast dasselbe. Und plötzlich ist es eine gute Idee, der Faden wird aufgenommen, anerkennendes Nicken …

Ich hab damals gedacht, es liegt an mir. Vielleicht hab ich es zu leise gesagt, vielleicht hab ich mich doch irgendwie undeutlich ausgedrückt.

Heute weiß ich: Es lag tatsächlich auch an mir, aber nicht nur. Nach und nach habe ich die Stellschrauben kennengelernt, mit denen ich etwas verändern konnte. Und es war kein Hexenwerkt sondern konkrete, lernbare Schritte. Und genau die möchte ich heute mit dir teilen: sieben Tipps, die mir und den Frauen, mit denen ich arbeite, wirklich geholfen haben, im Meeting endlich gehört zu werden.

Tipp 1: Geh niemals unvorbereitet rein

Diesen Tipp habe ich von einer Kollegin bekommen, zu der ich als junge Frau sehr aufgeschaut habe. Sie war jemand, der im Meeting immer präsent wirkte, immer etwas Relevantes beizutragen hatte, nie um Worte verlegen war. Ich hab sie irgendwann gefragt, wie sie das macht. Und sie hat gesagt: Ich gehe niemals unvorbereitet rein.

Illustration einer Frau an einem Schreibtisch mit einem Laptop und einer Kaffeetasse

Das klingt erstmal simpel. Aber es steckt mehr dahinter als nur die Unterlagen durchzulesen.

Vorbereitung bedeutet: Überlege dir vor jedem Meeting mindestens einen konkreten Punkt, den du einbringen willst. Eine Frage, eine Beobachtung, einen Vorschlag. Nicht irgendwas, sondern etwas, das du wirklich für wichtig hältst. Wenn du weißt, was du sagen willst, musst du im Meeting nicht mehr darüber nachdenken ob du etwas sagst. Nur noch wann.

Schreib im Meeting mit. Nicht als Protokollantin (diesen Job übernimmst du bitte nicht, damit degradierst du dich direkt selbst), sondern für dich. Notiere dir, was andere gesagt haben, um später darauf zurückkommen zu können. Damit reduzierst du deinen Mental Load und kannst dich ganz auf deinen „Einsatz“ konzentrieren.

Und noch etwas, das ich später dazugelernt habe: Überleg dir auch, wo du sitzt. Wer gut gesehen wird, wird auch eher gehört. Setz dich so, dass du im Blickfeld der Person bist, die das Meeting leitet. Klingt nach einer Kleinigkeit. Ist es aber nicht.

Tipp 2: Nimm Raum ein, auch körperlich

Self-Empowerment: ein kleines Mädchen macht ein Peace-Zeichen in die Kamera. Sie trägt ein weißes Shirt mit der Aufschrift GRLPWR und schaut frech.
Foto von Kiana Bosman auf Unsplash

Ich hab mal ein Buch über Machtspielchen im Job gelesen. Wie sie funktionieren, wer sie spielt und warum. Und ich hab darin mehr über mich und meine eigene Wirkung gelernt als in so manchem klassischen Karriereratgeber. Weil es so klar beschrieben hat, was im Raum passiert, wenn Menschen miteinander kommunizieren. Wie viel nonverbal läuft. Wie viel Wirkung entsteht, bevor überhaupt ein Wort gefallen ist.

Körpersprache ist keine Nebensache. Sie ist oft die Hauptsache.

Konkret bedeutet das: Sitz aufrecht, nicht zusammengekauert. Nimm Platz ein, beide Arme auf dem Tisch, nicht verschränkt, nicht auf dem Schoß. Sprich in einer Lautstärke, die den Raum füllt, nicht die Tischplatte vor dir. Und dann ist da noch der Blickkontakt. Schau die anderen Personen im Raum an, wenn du sprichst. Kein gruseliger, starrer Blickkontakt, sondern lass deinen Blick durch den Raum wandern, zu den Menschen, die nicken, zu denen, die sich beteiligen, zu der Person, die das Meeting leitet oder die Entscheidungen trifft. Blickkontakt signalisiert Präsenz. Er sagt: Ich bin hier, ich meine das ernst, ich rede mit euch.

Ich geb dir an dieser Stelle auch direkt die Ausbaustufe von diesem Tipp mit: setze deine Mimik ein, um deinen Worten noch mehr Ausdruck zu verleihen. Dazu muss man nämlich gar nicht die Stimme erheben. Das kannst du beispielsweise auch mit nur einer einzigen Augenbraue machen 😉

Und noch etwas, das ich selbst lange unterschätzt habe: die Stimme am Satzende. Viele Frauen heben die Stimme am Satzende, lassen sie also nach oben gehen. Das signalisiert in unserer Sprache eine Frage! Ein Satz, der nach einer Frage klingt, obwohl er keine ist, strahlt Unsicherheit aus, auch wenn der Inhalt überzeugend ist. Versuch mal bewusst, die Stimme am Ende zu halten oder sogar leicht zu senken. So transportierst du Ruhe, Klarheit und echte Überzeugung.

Tipp 3: Sprich klar und eindeutig

Eine Frau an einem Tisch mit anderen. Sie spricht und hat die Hände erhoben, die Ellenbogen auf dem Tisch.
Foto von Jessica Da Rosa auf Unsplash

Das ist ein Tipp, der vor allem auf Erkenntnissen aus meinem Kommunikationspsychologie-Studium basiert. Und gleichzeitig der, bei dem ich selbst noch häufig in die Falle tappe. Weil die Muster dann eben doch so tief sitzen.

Schau mal, ob du dich wiedererkennst. Wie viele dieser Sätze klingen vertraut?

„Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist, aber…“

„Ich könnte mir vorstellen, dass vielleicht…“

„Das ist wahrscheinlich eine blöde Frage, aber…“

„Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich dachte…“

All das sind Weichmacher, und Weichmacher sind nicht nur in Plastikflaschen eine schlechte Idee. Wir sehen hier kleine sprachliche Entschärfungen, mit denen wir unsere eigenen Aussagen abschwächen, bevor sie überhaupt beim Gegenüber ankommen. Wir tun das, weil wir nicht anmaßend wirken wollen. Nicht zu forsch. Nicht zu sicher. Bescheiden eben.

Dabei gibt es allerdings ein Problem: Wer sich selbst nicht ernst nimmt, der kann auch von anderen nicht ernst genommen werden.

Klare und eindeutige Sprache bedeutet nicht, rücksichtslos oder arrogant zu klingen. Es bedeutet zum Beispiel, deinem Gedanken zu vertrauen, bevor du ihn aussprichst (auch, wenn du dir wirklich nicht ganz sicher bist, vertrau dir trotzdem!). Statt „Ich weiß nicht ob das passt, aber vielleicht könnte man überlegen…“ einfach: „Ich schlage vor…“ Statt „Das ist vielleicht eine blöde Frage…“ einfach: die Frage stellen.

Und noch etwas, das ich in der Kommunikationspsychologie gelernt habe und das mich wirklich überrascht hat: Pausen sind keine Schwäche. Wer kurz inne hält bevor er antwortet, wirkt nachdenklich und souverän. Wer sofort drauflosredet, oft nervös. Also lass dir ruhig einen Moment Zeit. Lerne, Stille auszuhalten und denk daran: Atmen nicht vergessen!

Tipp 4: Beuge dem Unterbrochenwerden vor

Bevor ich dir sage, was du tun kannst, wenn du unterbrochen wirst, möchte ich dir kurz erklären, warum das so häufig passiert. Nicht weil du zu leise sprichst oder dich nicht klar genug ausdrückst. Sondern weil Frauen in der Regel einen sogenannten kooperativen Kommunikationsstil haben. Das bedeutet: Wir liefern Kontext. Wir erklären, wie wir zu einer Einschätzung gekommen sind. Wir nehmen uns die Zeit, das Gesamtbild zu zeichnen, bevor wir die Kernaussage nennen.

Das ist eigentlich eine sehr kluge Art zu kommunizieren. Aber in schnellen, hierarchischen Meetings, wo manche Kollegen nur auf das Stichwort warten, auf das sie anspringen können, wird genau dieser Kommunikationsstil zu unserem Problem. Die entscheidende Information „Das Projekt läuft gut“ kommt bei uns für manch andere zu spät. Also fallen sie uns ins Wort, um den Punkt klarzumachen und im Meeting voranzukommen (Zeit ist schließlich Geld!).

Frauen werden übrigens deutlich häufiger unterbrochen als Männer. Eine Studie, die an den Obersten Gerichten in den USA durchgeführt wurde zeigte, dass Richterinnen dreimal häufiger unterbrochen wurden als ihre männlichen Kollegen. Ja, Richterinnen! Wir sehen hier also wieder kein individuelles Problem sondern ein Muster. Wenn du genauer wissen möchtest, welche patriarchalen Strukturen dahinterstecken, lies hier weiter..

Was kannst du also tun? Bring deine Kernaussage früher. Nicht, weil du dich anpassen sollst, sondern weil es dir mehr Raum verschafft. Erst das Ergebnis, dann den Kontext. „Das Projekt läuft gut. Warum und wie wir dahin gekommen sind, dazu komme ich gleich.“ So nimmst du anderen den Wind aus den Segeln.

Und wenn du trotzdem unterbrochen wirst? Ruhe bewahren. Bitte sag nicht: „Lassen Sie mich ausreden!“, das wirkt verzweifelt und defensiv. Und es verschiebt den Fokus von deinem Inhalt auf den Konflikt. Genauso wenig hilft übrigens Metakommunikation wie: „Dass Sie mich unterbrechen, finde ich schwierig.“ Auch wenn ich dir auf jeden Fall empfehle die unterbrechende Person im Nachgang anzusprechen, ist das Meeting definitiv der falsche Zeitpunkt dafür.

Was stattdessen funktioniert: Heb kurz die Hand, oder mach eine ruhige Geste in Richtung der Person. Bleib ruhig und entspannt, lehn dich vielleicht sogar minimal zurück, und sag einfach: „Moment noch.“ Oder: „Ich bin sofort fertig.“ Und dann redest du einfach weiter. Ohne Entschuldigung. Ohne Erklärung.

Das klingt jetzt vielleicht unmöglich umsetzbar für dich, aber ich bin ganz sicher, dass du kannst. Vielleicht übst du es einfach mal mit einer vertrauten Person in einem Rollenspiel. Denn am Ende ist es doch so: wer souverän wirkt, kämpft nicht um Aufmerksamkeit. Er hat sie einfach.

Tipp 5: Finde deine Peers und beziehe sie ein

Eine Gruppe von Frauen geht die Straße entlang. Die vorderen beiden sind untergehakt und lachen fröhlich in die Kamera.

Hast du schon mal von den Mitarbeiterinnen im Weißen Haus gehört, die folgende Strategie ausprobiert haben sollen: Wenn eine Frau in einer Besprechung eine gute Idee äußert, wiederholt eine andere das Gesagte laut, um dem Inhalt mehr Gehör zu verschaffen. Und um zu verhindern, dass ein Kollege die Idee später als seine eigene verkauft.

Klingt ziemlich clever, oder? Ich fand das beim ersten Lesen auch sehr sympathisch. Solidarität unter Frauen, ich bin sowas von dabei. Die Kommunikationstrainerin Isabell Garcia sagt allerdings: Wer sich Verstärkung von außen holen muss, um gehört zu werden, positioniert sich mental schon als schwach. Und wer sich als kleiner wahrnimmt, steht eben auch nicht auf Augenhöhe. (Groll, Tina. 2016. Frauen brauchen keinen Papageien. Die Zeit)

Was ich dir stattdessen empfehle: Verbünde dich, aber anders. Das kann zum Beispiel so aussehen: Du weißt, dass morgen ein wichtiges Meeting ist, bei dem du einen Vorschlag einbringen willst. Sprich vorher mit einer Kollegin oder einem Kollegen, dem du vertraust. Nicht um sie zu bitten, dich zu wiederholen, falls niemand reagiert. Sondern um deinen Gedanken zu schärfen, Feedback zu bekommen und vielleicht gemeinsam zu überlegen, wann im Meeting der beste Moment wäre, ihn einzubringen.

Das hat gleich mehrere Vorteile. Dein Vorschlag ist dann schon einmal laut ausgesprochen, das gibt Sicherheit. Du weißt, dass mindestens eine Person im Raum deinen Gedanken bereits kennt und gut findet. Und manchmal ergibt sich daraus sogar, dass dein Gegenüber an der richtigen Stelle nachfragt oder anknüpft, nicht um dich zu retten, sondern weil er wirklich interessiert ist.

Der Unterschied ist subtil, aber wichtig. Du gehst nicht ins Meeting als jemand, der hofft gehört zu werden. Du gehst rein als jemand, der vorbereitet ist.

Tipp 6: Mach deine Beiträge sichtbar

Ist dir das auch schon mal passiert? Du hast wochenlang an einem Projekt gearbeitet, es läuft gut, alle sind zufrieden. Und dann sitzt du im Meeting und hörst zu, wie ein Kollege das Projekt so beschreibt, als wäre der Erfolg hauptsächlich sein Verdienst. Falls ja und falls du dann einfach sprachlos warst: auch damit bist du nicht allein.

Viele Frauen haben gelernt, dass es unhöflich oder angeberisch wirkt, über die eigenen Erfolge zu sprechen. Bescheidenheit gilt als Tugend, Zurückhaltung als professionell (nur bei Frauen natürlich). Also schweigen wir lieber und hoffen, dass unsere Leistung für sich spricht.

Tja naja, wenn sie überhaupt spricht, dann meistens nicht laut genug …

Hier kommt wieder der Doppelstandard ins Spiel, den wir schon bei Tipp 3 hatten. Ein Kollege, der seine Erfolge nennt, gilt als selbstbewusst und durchsetzungsstark. Eine Frau, die dasselbe tut, gilt schnell als eingebildet, überheblich oder gar „schwierig“ (das ist übrigens ein sehr gern verwendeter Begriff für uns Frauen, der so abstrakt ist, dass man ihn einfach in jedweder Situation verwenden kann, in der wir Störfaktoren sind). Zurück zum Doppelstandard, der ist unfair, ja. Und trotzdem lohnt es sich, einen Weg zu finden, die eigenen Beiträge sichtbar zu machen, ohne sich dabei unwohl zu fühlen.

Denn wer schweigt, macht es anderen leichter, die Lorbeeren einzusammeln. Das ist meistens nicht mal böse Absicht, sondern einfach eine Konsequenz. Wer präsent ist und spricht, wird wahrgenommen. Wer es nicht tut, wird übersehen. Und wenn Lorbeeren einsam am Wegesrand liegen, dann sammle ich sie halt ein …

Also, wo und wie kannst du üben, sichtbar zu werden und deine Erfolge zu zeigen? Überall eigentlich. Im 1:1 mit deiner Führungskraft ist es völlig angemessen zu erwähnen, was du in der letzten Woche erreicht hast. In der Teeküche mit Kolleginnen und Kollegen kannst du beiläufig erzählen, woran du gerade arbeitest und was gut läuft. Und beim Daily oder Teammeeting ist es nicht nur okay, sondern sogar sinnvoll, deinen Beitrag klar zu benennen.

Der schmale Grat zwischen Sichtbarkeit und Angeberei liegt übrigens meistens im Wie. „Ich hab das toll gemacht“ klingt anders als „Ich hab gemerkt, dass mein Ansatz da wirklich gut funktioniert hat, weil wir dadurch drei Wochen früher fertig geworden sind.“ Beides beschreibt einen Erfolg. Aber das zweite gibt Kontext, zeigt Wirkung und lädt andere ein, daran anzuknüpfen. Das fühlt sich für die meisten von uns auch einfach authentischer an.

Du musst nicht anfangen, dich selbst zu beweihräuchern. Aber du darfst aufhören, unsichtbar zu sein. Was echte Sichtbarkeit im Job ausmacht, und was sie von Selbstvermarktung unterscheidet, erkläre ich in diesem Beitrag.

Und jetzt?

Portrait von Mimi, das Kinn auf ihre Hände gestützt

Du brauchst das alles nicht auf einmal umsetzen. Aber such dir doch direkt einen Tipp raus, der sich für dich am greifbarsten anfühlt, und probier ihn im nächsten Meeting aus. Nur einen. Das reicht schon für den Anfang.

Das Schöne ist ja: Es geht nicht darum, dass du dich änderst, dass du jemand anders wirst. Es geht darum, ein bisschen mehr von dem zu zeigen, was ohnehin schon in dir steckt.

Und wenn du merkst, dass hinter dem „nicht gehört werden“ vielleicht noch etwas anderes steckt, das sich mit Tipps allein nicht lösen lässt, dann ist der Job-Realitycheck ein guter nächster Schritt. Er hilft dir, klarer zu sehen was bei dir wirklich los ist. Und danach geht es weiter.

👉 Hier geht’s zum Job-Realitycheck

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